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Glück oder Unglück – es wird sich weisen

Die Geschichte dazu

Weißer HengstEs gibt eine Geschichte von einem alten chinesischen Bauern, die ich hier kurz zusammengefasst wiedergeben will:

Ein alter chinesischer Bauer hatte ein wunderschönes Pferd, das selbst der Kaiser ihm für sehr viel Geld abkaufen wollte, aber der Bauer lehnte ab, weil er das Pferd als seinen Freund betrachtete und Freunde verkauft man nicht. Niemand konnte verstehen, dass er so ein tolles Angebot abgelehnt hatte. Dann war das Pferd verschwunden – da zogen die Leute erst recht über seine Dummheit her. Aber der Bauer ließ sich nicht beirren – „Glück oder Unglück – es wird sich weisen!“ Aber ein paar Wochen später tauchte das Pferd – ein Hengst – wieder auf und brachte 6 wilde Stuten mit.

Die Leute waren sprachlos und beneideten den Bauern um dieses Glück. Aber er blieb gelassen – „Glück oder Unglück, es wird sich weisen“. Jeder schüttelte nur den Kopf über ihn! Sein Sohn begann die Wildpferde zuzureiten, aber durch seine Ungeduld warf ihn eine Stute ab, und er brach sich ein Bein. Trotz des Einsatzes der Dorfschamanin blieb ein Schaden zurück und er hinkte. Jetzt fingen die Leute wieder an „Was für ein Unglück, dein einziger Sohn – er ist keine Hilfe mehr für dich!“ Und wieder blieb der Alte gelassen – „Glück oder Unglück – man wird sehen!“

Ein Krieg brach aus und die Häscher des Kaisers zogen alle tauglichen Männer als Soldaten ein - nur natürlich nicht den verkrüppelten Sohn des Alten. Wieder wurde er von allen beneidet.

Aber er schüttelte nur den Kopf und sagte: „Ihr seht immer nur einen winzigen Ausschnitt des Lebens und beurteilt ihn. Ihr seht nicht das große Bild, in das dieser Ausschnitt eingebettet ist. Was heute als Unglück erscheint, kann sich morgen als Glück erweisen und umgekehrt. Macht das Beste aus dem, was jetzt gerade ist!“

Unsere begrenzte Sichtweise

Wenn wir irgendetwas erleben, irgendetwas erfahren, bevor wir es uns bewusst sind, bilden wir eine Meinung, urteilen wir – das ist gut, das ist schlecht. Es ist uns in Fleisch und Blut übergegangen, alles aus einer momentanen Schwarz-Weiß Perspektive zu betrachten, und wir machen uns nicht bewusst, dass unsere Wahrnehmung ein winziges Zeitfenster darstellt. So funktioniert die ganze westliche Welt. Heute wird etwas umjubelt und hoch gelobt, morgen wird es niedergemacht und verurteilt und übermorgen ist es vergessen und wir wenden uns der nächsten Sensation zu. Aber jetzt, wo es aktuell ist, nehmen wir es enorm wichtig und drücken einen Stempel auf, bedingt durch eine Momentaufnahme oder durch unsere oberflächliche Betrachtungsweise. Das gilt für den ganz persönlichen Bereich genauso wie für die große Weltbühne. Ständig sind wir damit beschäftigt, Messlatten anzulegen, um danach wieder alles zu verwerfen oder zu vergessen, was noch vor kurzem so wichtig war. Wir lernen nicht aus unseren kurzsichtigen Beurteilungen, wir verdrängen unsere Oberflächlichkeit, wir suchen uns ein neues Ziel und gehen damit genau so kurzsichtig um. Gierig rennen wir von einem Ereignis zum nächsten. Kaum jemand macht sich Gedanken, was das für den oder die Betroffenen für Folgen haben kann.

Mobbing ist das beste Beispiel. Da setzt ein Mitarbeiter etwas in die Welt, weil er den Kollegen nicht leiden kann. Das wird von anderen aufgegriffen, aufgebaut und verzerrt. Diese krankhafte Genugtuung, dem eine auszuwischen, ignorieren wir bewusst. Wir blenden aus, wie sich das für den Betroffenen Kollegen anfühlt und dass genau wir die Verantwortung dafür haben, die sich an dem Mobbing beteiligen. Wie getrieben berauschen sich alle Beteiligten an dem Leid des Opfers. Aber wie kann das sein?

Die schlimmste und am meisten verbreitete Sucht

Weibliche FansVorurteile und Beurteilungen – egal ob man jemanden verherrlicht oder verunglimpft – sind die am weitest verbreitete und am wenigsten beachtete Sucht.

Wie jede Sucht lenkt auch sie von den eigenen Unzulänglichkeiten und Problemen ab. Solange ich mich auf die Baustellen eines anderen stürzen kann, brauche ich die Baustellen vor meiner Türe nicht wahrnehmen und kann mich – zumindest vorübergehend - an dem Elend des Anderen weiden, denn „das hat Ja mit mir gar nichts zu tun“.

Ob ich mich mit irgendwelchen Drogen zudröhne oder mich durch allen möglichen Tratschereien ablenke, ist im Grunde genommen genau das gleiche, nur dass das Be- und Verurteilen viel subtiler und langsamer unseren Geist vergiftet und diese Wirkung deshalb nicht wahrgenommen wird.

Wenn ich wieder und wieder über alles Mögliche herziehe, mich ständig über irgendetwas in meinem Umfeld aufrege, hat das auf die Dauer auf meinen Körper fatale Auswirkungen: Es ist heute schon lange nachgewiesen, dass so eine negative Einstellung die Hormone, den Kreislauf und den ganzen Stoffwechsel schädigt und langfristig zu Organschäden führt – alles Fakten, die bekannt sind und doch viel zu wenig beachtet werden.

Aber auch das andere Extrem ist genauso schädlich: Wenn ich von einem Fußballspiel, welches mein Verein gewonnen hat, ganz happy und euphorisch heimkomme oder ein Schlagerkonzert mit meinem angehimmelten Superstar voll heiler Welt erlebt habe – dann fühle ich die gleiche trügerische Euphorie, wie nach irgendeinem Drogenkonsum– und der Katzenjammer danach ist umso grausamer. Denn zu Hause erwartet mich meine miese Ehe, mein frustrierender Job, meine Schulden usw., dann stürze ich vom Himmel in die Hölle - das ist wie ein Drogenentzug auf den unser Körper schockmäßig reagiert. Dann wird mein Alltag noch unerträglicher. Und – normalerweise suche ich umso gieriger den nächsten Kick!

Der Einfluss der Gesellschaft

Einfluss der MedienDiese Kurzsichtigkeit wird in unserer Gesellschaft auf allen Ebenen gepflegt und unterstützt. Wie an unsichtbaren Fäden hängend, lassen wir uns von vorgegebenen Prinzipien steuern. Was früher die Kirchen waren, sind heute die subtilen ungeschriebenen Regeln einer Massenmanipulation.

Angefangen in der großen Politik, wo unsere Politiker sich höchst selten Gedanken machen, ob dieses Gesetz überhaupt Wirkung hat und was langfristig daraus wird. Hauptsache, sie haben sich wichtig gemacht! Die berühmte Mietbremse, die Arbeitsnachweise in den Minijobs zeigen, was da an Müll produziert wird. Die Verursacher sonnen sich dann auch noch in der Illusion, etwas Bedeutsames geschaffen zu haben.

Die Medien spielen in diesem Konzert der Unkenrufer und Kurzzeitdenker eine nicht minder einflussreiche Rolle. Wann werden in Nachrichten einmal positive Ereignisse hervorgehoben? Es geht immer um negative Sensationen, die solange breitgetreten werden, bis man es nicht mehr hören kann. Der Tzunami in Asien war so ein Beispiel: Die Aufnahme dieser Monsterwelle wurde in allen Sendern wieder und wieder gezeigt. Das gleiche gilt für Terroranschläge. Damit werden die Ängste der Menschen geschürt, die sich von diesen Bildern wiederholt berieseln lassen. Das ist eine unterschwellig wirkende Programmierung. Damit wird indirekt die persönliche Kurzsichtigkeit noch verstärkt, wir versuchen zu verdrängen – wir sind da zum Glück nicht betroffen.

Am schlimmsten ist die Regenbogenpresse, die alles bis ins Detail ausschlachtet. Irgendwelche Schlagerstars werden künstlich zu Ikonen hochgejubelt, an denen sich die Masse begeistern kann, aber auch Probleme werden ausgewalzt und breitgetreten, Gerüchte in die Welt gesetzt – nur damit die Auflagezahlen steigen. Und je gleichförmiger das eigene Leben ist, umso mehr benutzt man das Leben Anderer als Ersatzbefriedigung.

Wir sind Getriebene

BilderbuchfamilieDurch diese künstliche Scheinwelt der Extreme wird unser Alltag eine einzige Bedrohung. Wir wollen doch nicht auf der Seite der Beschimpften Verunglimpften stehen, wir wollen doch diese glatte, edle, bewundernswürdige Bild abgeben und diese heile Welt verkörpern, mit einem großen Haken: Das Leben ist nicht so! Es ist voller Höhen und Tiefen, es stellt uns vor Herausforderungen und selbst wenn wir erreichen, was wir uns ersehnen – dann kommt die Angst, es wieder zu verlieren, die Angst, morgen selbst zum Opfer von Tratsch oder Ablehnung oder Mitleid zu werden. Viel mehr als die äußeren Umstände führt diese ständige Ungewissheit zu einem Dauerstress – Immer gut dastehen müssen, immer so tun als wäre alles super, immer wieder den Scherbenhaufen zuzudecken – das ist extrem anstrengend und funktioniert auf die Dauer nicht, das wissen wir eigentlich sehr wohl, aber dann brauchen wir umso mehr die nächste Ablenkung, damit diese Wahrheit ja nicht ins Bewusstsein dringt.

Das Prinzip der Relativität
Etwas, das jeder von uns kennt und kaum einer beachtet: Als Kind ist der Baum vor dem Haus riesig, unsere Eltern wissen alles, die Zeit bis Weihnachten ist unendlich lang. Aber wenn wir erwachsen werden, sehen wir dies alles aus einer ganz anderen Perspektive. Der Eine kann den Winter nicht ausstehen, der Andere reist dahin, wo es viel Schnee gibt – auch Geschmäcker sind relativ – und bereichern mit ihrer Vielfalt unsere Welt. Schlimm, wenn jeder das gleiche gut fände. Auch wenn wir selbst den Bäckerberuf unmöglich finden, sind wir doch froh, beim Bäcker um die Ecke frische Brötchen kaufen zu können.

Wenn sich jemand kurzangebunden und wortkarg verhält, muss das nicht an uns liegen. Wir wissen nicht, was er erlebt hat, dass er sich so verhält. Auch wenn wir das nicht hinnehmen, müssen wir ihn nicht gleich in unsere kleinen Schubladen einsortieren und alles persönlich nehmen.

Die Weisheit des alten chinesischen Bauern

Fluss mit WindungenWenn Sie mal Ihr Leben betrachten: Gab es da nicht Ereignisse, die ganz schlimm erschienen und sich später als der größte Segen erwiesen? Wie oft habe ich Patienten, die es kaum verkraften, dass sich ein Partner trennt, dass ihnen die Stelle gekündigt wird und Jahre später erweist sich genau dieses schlimme Ereignis als das Beste, was ihnen passieren konnte. Die Ereignisse eröffneten ganz neue Chancen, die sich ohne dieses Desaster nie gezeigt hätten. Alles ist relativ – es kommt immer auf den Blickwinkel an, aus dem wir es betrachten. Je dichter wir dabei stehen, umso weniger sehen wir das große Ganze. Wenn wir uns mitten in einer schwierigen Lebensphase befinden, können wir das große Bild meist nicht sehen, aber wir können – wie der alte Bauer in der Geschichte – die Gewissheit bekommen, dass es zu etwas dient, was uns weiter bringt. Und wenn wir das Gute erleben, sollten wir es genießen und nicht von der Angst vergiften lassen, es könnte uns wieder genommen werden. Selbst wenn – auch das führt wieder zu neuen Möglichkeiten. Das Leben steht nie still.

Wenn wir uns der Weisheit des alten Bauern anschließen, können wir lernen, aus jeder Lebenssituation etwas zu machen. Und wenn wir keinen Sinn darin sehen, können wir die Gewissheit haben, dass uns dieser gezeigt werden wird. Es liegt an uns, ob uns das Leben hinter sich her schleift wie einen widerspenstigen Dackel, oder ob wir bereit sind, uns dem Fluss des Lebens im Vertrauen hinzugeben.

Wie heißt es so treffend: Wo du deine Aufmerksamkeit hinwendest, dorthin fließt deine Energie!

Nächstes Mal: Die Macht der Vergangenheit und ihre Bedeutung für das Heute

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